| Wie
würde eine Markt- oder Museumsveranstaltung aussehen, wenn die Leute
nur mit rekonstruierten und replizierten Kleidungen und Ausrüstungsgegenständen
aus einem Zeitraum von nur 50 Jahren herumlaufen? Ich würde sagen recht eintönig, da die Quellen eine Vielfalt wie es sie vermutlich in der Vergangenheit gegeben hat nicht zulassen. Und was hat eine Person mit einer rekonstruierten Kleidung Fund 0815 Kölner Innenstadt auf einer Veranstaltung in Hannover zu suchen? Sind 1:1,0001 Rekonstruktionen und Replikate nicht besser im Museum aufgehoben? Wie zuverlässig hat der Archäologe bei der Datierung eines Fundstückes gearbeitet oder wie genau lassen sich Funde überhaupt datieren? Waren in der älteren Vergangenheit Serien eines Typs ( z.B. Holzschalen, Messer und Keramik Krüge ) 100% oder auch 90% genau gleich in der Form. Also jeder Schale eine Kopie? Hatte Messerschmied A genau die gleichen Messer gemacht wie Messerschmied B? Nun, ich will natürlich nicht sagen das es völliger Blödsinn ist sich eine R. oder ein R. zu kaufen oder bauen. Doch es spricht meiner Meinung nichts dagegen, wenn man sich zu ..% an ein oder mehrerer Originale hält. Das bedeutet natürlich Recherchieren möglichst vieler Funde aus der dargestellten Region und Zeit analysieren und sich zwischen z.B. Holzschüssel Typ C, Fund A 1400+-25Jahre und Holzschüssel Typ C, Fund B 1500+-25Jahre einen Zwischenschritt der Form zu erstellen und danach eine Schale für das Jahr 1450 zu Drechseln. Zum Schluß ein Zitat aus einem meiner Briefwechsel mit einem ehemaligen Museumsdrechslers: ....Ich sprach über dieses Thema auch mit Prof. Böckelmann, dem Drechselpapst in Deutschland, der mir bestätigte, daß die Drechsler zwar auch früher schon große Serien machten, sich dabei aber doch immer die Freiheit ließen, je nach Holz, Größe des Rohlings und seine Eigenheiten zu variiren. Was nun wieder zeigt, daß absolute Gleichheit einer Nachbildung mit einem Fundstück Blödsinn ist, denn das zweite Stück aus der gleichen Bestellung bei dem Drechsler sah schon wieder etwas, oder sehr viel, anders aus. Sinnvoll ist die Exaktheit nur für museale, wissenschaftliche Zwecke, und selbst da müßte sie Grenzen haben, um nicht übertrieben zu sein, und Gewißheit vorzugaukeln, die es nicht geben kann. .... Möge jeder den richtigen Weg finden Grüße Lorenz Rittscher |